Bindungsstörung

Kinder brauchen von Anfang an sowohl Wurzeln als auch Flügel; die Entwicklung ihrer Autonomie beginnt im besten Fall ebenso früh wie die gute und sichere Bindung an ihre Eltern und ihr Zuhause. Bindung ist dabei weniger eine Frage der Quantität als der Qualität des Umgangs, vor allem eine Frage der Intimität, des unmittelbaren liebevollen körperlichen, seelischen und sozialen Umgangs zwischen Erwachsenem und Kind.

Eine Bindungsstörung entsteht häufig noch vor Schulbeginn als Reaktion auf den frühen Verlust von Bezugspersonen wie z. B. den Eltern, Vernachlässigung, sexuellen Missbrauch oder schwere Misshandlung oder auch ungelöste Traumageschichten bei den Eltern, und ist gekennzeichnet durch anhaltende Auffälligkeiten im sozialen Umgang.

Viele der Kinder zeigen deutlich widersprüchliche oder ambivalente Reaktionen in verschiedensten sozialen Situationen; sie sind emotional wenig ansprechbar, ziehen sich häufig zurück, entwickeln aus einer großen inneren Not heraus eine ängstliche Überempfindlichkeit oder aggressive Reaktionen, manchmal auch eine Distanzlosigkeit im Kontakt. Sie haben eine geringe Stressresistenz, ein geringes Selbstwertgefühl und ein erhöhtes Risiko für psychische und psychosomatische Erkrankungen.

Die Bindungsstörung kann bis ins Erwachsenenalter hinein bestehen bleiben und den betroffenen Menschen in seiner Beziehungsgestaltung, Leistungsfähigkeit und seinem Identitätserleben deutlich beeinträchtigen.